Weibliche Genitalverstümmelung / Female Genital Mutilation/Cutting (FGM/C)
FGM/C (Female Genital Mutilation/Cutting) ist eine schwerwiegende Menschenrechtsverletzung und eine Form geschlechtsspezifischer Gewalt.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) versteht darunter die teilweise oder vollständige Entfernung der äußeren weiblichen Genitalien oder andere Verletzungen derselben aus nichtmedizinischen Gründen.
FGM/C wird in unterschiedlichen Gesellschaften praktiziert und häufig mit sozialen Normen, wirtschaftlichen Motiven, religiösen Überzeugungen oder mit der Kontrolle der Sexualität von Mädchen und Frauen gerechtfertigt.
Laut UNICEF sind weltweit über 230 Millionen Mädchen und Frauen von FGM/C betroffen. In Österreich wird die Zahl der potenziell betroffenen Frauen und Mädchen aktuell auf etwa 11.000 geschätzt.
Einen guten Überblick zum Thema gibt die Website der österreichweiten FGM/C-Koordinationsstelle. Sie bietet Beratung, Informationen und Unterstützung bei allen Fragen zu FGM/C
Rechtslage
FGM/C ist in Österreich als Körperverletzung mit schweren Dauerfolgen strafbar und mit einer Freiheitsstrafe von bis zu 10 Jahren bedroht (§ 85 StGB). Das gilt auch, wenn der Eingriff im Ausland vorgenommen wird und entweder die betroffene Person oder der:die Täter:in Österreicher:in ist oder den gewöhnlichen Aufenthalt in Österreich hat (§ 64 Abs 1 Z 4a StGB).
International verlangt die Istanbul-Konvention (Artikel 38), dass Vertragsstaaten FGM/C unter Strafe stellen. Auch die im Juni 2024 in Kraft getretene EU-Richtlinie zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt sieht Mindestvorschriften für die Strafbarkeit von FGM/C (Artikel 3) sowie für die spezialisierte Unterstützung von Betroffenen (Artikel 27) vor.
Schutz und Hilfe
FGM/C kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben. Die FGM/C Koordinationsstelle bietet betroffenen Frauen und Mädchen spezialisierte Beratung:
Österreichweite telefonische Beratung:
- Telefon: +43 1 267 7 267
- Website: Startseite – FGM_C Koordinationsstelle
Vor Ort hat die Koordinationsstelle Anlaufstellen in:
- Wien: Frauengesundheitszentrum FEM Süd (Klinik Favoriten)
- Oberösterreich: Linzer Frauengesundheitszentrum
- Salzburg: FrauenGesundheitsZentrum Salzburg
- Steiermark: Österreichisches Rotes Kreuz
- Tirol: Österreichisches Rotes Kreuz
Einige Krankenhäuser verfügen auch über spezialisierte Ambulanzen zu FGM/C. Nähere Informationen dazu bekommen Sie bei den genannten Anlaufstellen.
Weitere Informationen
- Handlungsleitfaden für Fachkräfte, Behörden und Institutionen: Weibliche Genitalverstümmelung (FGM/C) erkennen – handeln – verhindern (FGM/C-Koordinationsstelle)
- Studie: Female Genital Mutilation/Cutting (FGM/C) in Österreich. Eine Mixed-Methods-Studie (2024) (PDF, 1 MB)
- Rechtliche Informationen: Zur rechtlichen Lage von FGM/C in Österreich (FGM/C-Koordinationsstelle)
- FGM/C-Koordinationsstelle – Tätigkeitsberichte:
- Tätigkeitsbericht (2025)
- Tätigkeitsbericht (2024)
- Tätigkeitsbericht (2023)
- End FGM European Network: Informationen zu FGM/C in Europa mit interaktiver Landkarte