Resilienz entsteht gemeinsam: Was Hochschulen für ihre Studierenden tun können

Was macht Menschen widerstandsfähig, wenn das Leben unsicher wird? Lange galt Resilienz als Eigenschaft, die man hat oder nicht. Heute versteht die Forschung sie als dynamischen Prozess, der gelingen kann, wenn Menschen die nötigen Ressourcen dafür haben bzw. entwickeln Anna Schreiner erforscht an der Universität Salzburg, wie Hochschulen solche Ressourcen schaffen können: am Beispiel des Mentorings von PLUSTRACK, das Erstsemestrigen beim Ankommen hilft.

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„Jeder sagt: So ist Resilienz. Aber irgendwie ist es ein diffuses Konzept.“ Mit dieser Beobachtung hat Anna Schreiner ihre Forschung begonnen. Ihr erstes Fachpaper widmete sie der Frage, was Resilienz eigentlich ist. Heute schreibt sie ihre Dissertation darüber, in der Abteilung Sozialpsychologie der Universität Salzburg. Geleitet wird sie von Eva Jonas, die erforscht, wie Menschen mit Bedrohungen und Veränderungen umgehen, und die die Arbeitsgruppe Freudvoll & Aktiv (PDF, 622 KB) der Hochschulstrategie 2040 mitleitet.

Schreiner studiert und arbeitet gern an der Universität Salzburg. Sie hat ihren Bachelor und Master in Psychologie hier absolviert und ist nach einem Abstecher in die Wirtschaft und einem Forschungsprojekt an der Universität Regensburg wieder hierher zurückgekehrt. Die Psychologie habe sie immer interessiert. „Ich habe als Jugendliche oft die Psychologie Heute gelesen und mir gedacht: Wenn ich das hauptberuflich machen kann, wäre das super“, erzählt Schreiner. Das Studium kennt sie auch mit Kind: Während des Bachelorstudiums wurde sie Mutter und hat fast ihr ganzes Studium parallel dazu bewältigt.

„Es braucht immer eine Widrigkeit“

Die Forschung sieht Resilienz, so Schreiner, heute nicht mehr als individuelle Eigenschaft sondern als dynamischen Prozess, der vier Aspekte beinhaltet.

  • Eine Widrigkeit. „Es muss etwas passieren, das schwierig, herausfordernd oder bedrohlich ist. Nur dann können wir von Resilienz sprechen und diesen Prozess untersuchen.“
  • Ressourcen. Wir können zwischen individuellen, sozialen und strukturellen Ressourcen unterscheiden. Sie liegen in der Person, etwa Optimismus oder Selbstwirksamkeit. Sie sind sozial, etwa Unterstützung oder die Identifikation mit Gruppen. Und sie sind strukturell: „Welche Angebote gibt es, gibt es eine Rechtsberatung, wie sind die politischen Gegebenheiten?“
  • Ein positives Ergebnis. Gemessen wird es meist daran, ob Menschen ihren Alltag wieder bewältigen. Wann man misst, ist für Schreiner fast eine ethische Frage: „Ist es fair, das nach zwei Wochen, zwei Monaten oder zwei Jahren zu messen? Wie schnell müssen Menschen wieder resilient werden?“
  • Die Anpassung. Das ist der Prozess, der den Weg von der Widrigkeit zum positiven Ergebnis durch die Nutzung von Ressourcen beschreibt. „Wir haben Unsicherheit, wir verstehen es noch gar nicht, und irgendwie entwirrt sich dann dieses Wollknäuel, und wir finden einen Weg, damit umzugehen.“

Brauchen Studierende also mehr Herausforderungen, um resilient zu werden? Kleine Lernanlässe schaden nicht, sagt Schreiner, wohl aber einschneidende Erlebnisse, die von extremer Überforderung gekennzeichnet sind. „Ich glaube, Studierende brauchen nicht noch mehr Herausforderungen. Viele struggeln wirklich, sie empfinden ganz viel Druck und Stress. Es geht eher darum, ihnen zu helfen, mit den aktuellen Herausforderungen umgehen zu können.“ Übungen, um optimistischer zu denken, sieht sie mit Vorsicht: „Sei doch optimistischer" hilft vielleicht kurzfristig, aber kann langfristig auch die Lebensrealität von Personen und die damit verbundenen echten Herausforderungen verkennen.“

Die Person oder die Hochschule?

Resilienz wird von Studierenden erwartet, und zunehmend auch von Hochschulen. Eva Jonas trennt deshalb zwischen Resilienz und Resilienzressourcen. Für Hochschulen heißt das: Sie brauchen Strukturen, die Studierenden helfen, sich an Widrigkeiten anzupassen, „etwa Studierbarkeit oder Unterstützungsinstrumente“. Eine resiliente Hochschule wäre aus psychologischer Sicht eine, bei der Anpassungen möglich sind. Andere Disziplinen haben ein anderes Resilienzverständnis; an der Universität Salzburg arbeitet etwa ein neues Zentrum zur Klimawandel-Resilienz mit einem ganz anderen, ökologischen Resilienzbegriff.

Den rein individuellen Begriff lehnt Jonas ab: „Er überfordert das Individuum. Wir wollen nicht, dass die alleinige Verantwortung für die Anpassung bei der Person abgeladen wird, nach dem Motto: Wenn du an den Schwierigkeiten leidest, musst du halt resilienter werden.“

Schreiners Kollegin Leoni Brand, die ihre Dissertation über Future Skills schreibt, hat Resilienz in ihr Modell der Future Skills aufgenommen. Zum Beitrag über Future Skills: als zweite Schale gleich um das Selbst. Einen Widerspruch zum Verständnis als dynamischen Prozess sieht sie darin nicht. Als Kompetenz verstanden heiße Resilienz, „die eigenen persönlichen, sozialen und strukturellen Ressourcen zu kennen und sie aktivieren zu können, wenn ich sie brauche. Ich kann erkennen: Meine Freundin ist eine Ressource für mich, an sie wende ich mich, wenn es schwierig wird. Das kann man lernen.“ Jonas ergänzt: Resilienz zeige sich auch darin, Ressourcen auszubauen, also neue soziale Netze zu knüpfen, statt nur bestehende zu nutzen.

Für Schreiner fasst ein Satz aus ihrer aktuellen Forschung zusammen, was daraus für Hochschulen folgt: „Für Resilienz braucht es strukturelle Angebote, die Erstsemestrige dabei unterstützen, sozial anzukommen. Dann geht es ihnen besser, und sie machen mehr ECTS.“

Mehr Studium, mehr Verbindung: Was PLUSTRACK ist

Wie solche Angebote aussehen können, zeigt das Community-Programm der Universität Salzburg, das aus dem PLUSTRACK-Projekt entstanden ist. Es soll Studierenden helfen, an der Universität anzukommen, Kontakte zu knüpfen und dranzubleiben. Es startete 2020 mit einer Förderung des Wissenschaftsministeriums, nach einem Pilotversuch, in dem zwei Masterstudierende ein Mentoring mit kleinen Fallzahlen erprobt hatten. „Wir haben wirklich Jahre gebraucht, um die Strukturen aufzubauen“, sagt Eva Jonas. Das Mentoring musste mit ECTS hinterlegt und durch die Gremien gebracht werden, dann kam Corona. Das Team stellte innerhalb kurzer Zeit auf Onlinementoring um.

Heute bietet PLUSTRACK Mentoring, Coaching und Trainings an. Im laufenden Wintersemester haben sich rund 280 Mentees angemeldet, die meisten im ersten Semester. Weil es nur rund 80 Mentor:innen gibt, begleitet eine Mentorin oder ein Mentor drei bis vier Erstsemestrige. Für die Wirkung mache das keinen Unterschied, sagt Schreiner, die unterschiedliche Mentoringformate wissenschaftlich untersucht hat.

So läuft es ab:

  • Anmeldung: Das Mentoring ist ein freies Wahlfach. Mentees bekommen ein ECTS, Mentor:innen nach einer Ausbildung mehr.
  • Matching: Alle füllen einen Steckbrief aus, mit Studienfach, Fakultät, Hobbys und Erwartungen. Ein Skript bildet die Gruppen, vorrangig nach Fach. Das gelingt nicht immer. Denn es kommt vor, dass wir in einem Fach mehr Mentees als Mentor:innen haben, die auch dasselbe studiert haben. Dann matchen wir nach Fakultät.
  • Treffen: Die Gruppen treffen sich fünfmal im Semester und organisieren das selbst. Dazu kommen Community-Angebote, vom Spielenachmittag bis zur Wanderung auf den Gaisberg.
  • Abschluss: Eine verpflichtende Abschlussveranstaltung beendet das Semester offiziell. „Manche fahren danach auch noch miteinander auf Urlaub oder sind noch Jahre später gut befreundet.“
  • Grenzen: Gehen Probleme über den Alltag hinaus, ist das nicht mehr Aufgabe des Mentorings. „Dazu sind die Mentor:innen nicht ausgebildet“, sagt Schreiner. Das Team verweist dann je nach Bedarf an die passende Stelle, etwa an die Psychologische Studierendenberatung Salzburg und versucht, die Hemmschwelle zu senken: „Die sind kostenlos, supernett, geht hin.“

Am Ende eines Semesters habe das Team von PLUSTRACK einmal eine sogenannte Fuck-up-Night veranstaltet, erzählt Schreiner: Studierende aus höheren Semestern berichteten Erstsemestrigen, was im Studium schiefgegangen ist und wie sie damit umgegangen sind. „Die haben von Sachen erzählt, die wirklich schwierig waren, wo man echt dachte: Boah, Wahnsinn“, sagt sie. „Dann ist der ganze Raum ganz still, weil es irgendwie so wichtig ist.“

Was PLUSTRACK von Welcome Weeks und Studienstart-Angeboten unterscheidet, die es an fast jeder Hochschule gibt? Aus meiner Sicht sicher den besonderen Vibe unseres Community Programms, durch den das Mentoring so gut funktioniert, sagt Schreiner. Sie meint damit die besonderen Kolleg:innen, die imstande seien, einen ganzen Hörsaal voller Erstsemestriger zum Ankommen einzuladen. Zum anderen die wissenschaftliche Begleitung. Das Programm ist theoriegeleitet aufgebaut und wird laufend beforscht (siehe den Beitrag des Teams in der Zeitschrift für Hochschulentwicklung).

Verbundenheit schafft Verbindlichkeit: Was die Daten zeigen

Hinter dem Mentoring steht eine einfache Überlegung: Wer sich mit seiner Universität und ihrer Community verbunden fühlt, bleibt im Studium eher dran. Wer Kontakte hat, ist weniger gestresst, motivierter und damit auch prüfungsaktiver. Für Schreiner sind ECTS deshalb mehr als eine Leistungsmessung. „Die Erstsemestrigen möchten die Prüfungen ja auch schaffen. das Studium ist ja oft auch etwas, was sie sich selbst ausgesucht haben und was ein wichtiges Ziel von ihnen darstellt.“, sagt sie. „Wenn Leute merken: Ohje, ich schaffe das überhaupt nicht, brechen sie manchmal ihr Studium ab, und oft mit dem Grund, dass es ihnen nicht gut geht.“ Umgekehrt sei es etwas Schönes für Studierende, sagen zu können: Ich schaffe das, ich komme mit.

Schreiner hat 550 Erstsemestrige aus den Jahren 2021 bis 2024 im Mentoring mit einer Kontrollgruppe ohne Mentoring verglichen. Die Ergebnisse hat sie beim Kongress der Österreichischen Gesellschaft für Forschung und Entwicklung im Bildungswesen (ÖFEB) vorgestellt, der Ende September 2026 in Innsbruck stattfand.

Mehr ECTS, auch ohne Anreiz. Studierende im Mentoring erreichten über drei Semester mehr ECTS-Anrechnungspunkte als jene in der Kontrollgruppe. Und das geht über jenen ECTS-Punkt hinaus, den Mentees für die Teilnahme am Community Programm erhalten. Schreiner führt dies auf das Mentoring zurück, denn bei der Kontrollgruppe trat dieser Vorsprung nicht auf. Ihre Schlussfolgerung: Wer im Mentoring war, hatte mehr akademische Kontakte gewonnen. „Besonders schön sieht man das beispielsweise auch im zweiten Semester. Da findet kein Mentoring mehr statt und trotzdem machen Personen im Mentoring durchschnittlich noch signifikant mehr ECTS, als jene Studierende, die nicht am Mentoring teilnahmen.“

Die Beziehung senkt den Stress. Je besser die Arbeitsbeziehung zwischen Mentor:in und Mentee, desto weniger Stress erleben die Mentees, und desto mehr ECTS machen sie.

Es kommen die Richtigen. Wer sich anmeldet, startet oft mit weniger Freund:innen an der Universität als die Kontrollgruppe, holt bis Semesterende aber auf. „Die Leute, die zu uns kommen, haben oft noch weniger soziale Kontakte oder fühlen sich noch hilfloser, aber sie sind sehr, sehr motiviert.“

Qualität statt Anzahl. In einer weiteren Studie zeichneten Erstsemestrige ihre Gruppen als Karte: Familie, Schulfreund:innen, Studienkolleg:innen, den Sportverein. Für jede Gruppe gaben sie an, wie positiv sie die Zugehörigkeit erleben, wie viel Unterstützung sie bekommen und wie sehr sie sich als typisches Mitglied fühlen. Beide Gruppen nannten gleich viele Gruppen . Doch nur im Mentoring hingen diese Qualitätsmerkmale mit Resilienz und Lebenszufriedenheit zusammen. „ Die Ergebnisse waren so eindeutig, dass es mich selbst schon sehr überrascht hat. S“, sagt Schreiner. „Im Mentoring werden Gruppen zu einer Resilienzressource.“

Warum das so ist, kann Schreiner noch nicht genau sagen. Eine Vermutung: Es wirkt schon, was sie den Erstsemestrigen zu Beginn jedes Mentorings sagt. „Ich sag: Leute, uns ist es superwichtig, dass ihr gut ankommt. Freunde sind nicht egal, Gruppen sind wichtig, und wir wollen euch dabei unterstützen.“

Eine ihrer Untersuchungen zeigt auch: Das Gefühl der Zugehörigkeit ist situativ. Rund um Weihnachten identifizieren sich Studierende stärker mit Familie und Freund:innen von zu Hause als mit ihren Studienkolleg:innen. Das Mentoring unterstützt dabei, die Identifikation mit neuen (z.B. den Studienkolleg:innen) und bestehenden Gruppen (z.B. Familie, Schulfreunde) miteinander zu verbinden. Dies führt dazu, dass es Studierenden insgesamt psychisch besser geht. Schreiner vermutet aber, dass Zugehörigkeit immer wieder aufgefrischt werden muss. Zugleich steige die Belastung über das erste Semester: Am Ende gehe es den Studierenden psychisch schlechter als am Anfang. „Wie es ihnen im zweiten, dritten, vierten oder fünften Semester geht, wissen wir noch nicht“, sagt Schreiner. Vielleicht brauche es deshalb auch in späteren Semestern ein angepasstes Angebot.

Kleine Interventionen, große Wirkung

Was können Hochschulen tun, damit Studierende nicht allein resilient sein müssen?

Anna Schreiner: Wir schauen uns Risikogruppen an: Studierende, die sehr viel neben dem Studium arbeiten müssen, die Betreuungspflichten haben, die als Erste in ihrer Familie studieren oder einen niedrigen sozioökonomischen Status haben (Anm. d. Red.: Zahlen zu diesen Gruppen liefert die Studierenden-Sozialerhebung 2025 (PDF, 8 MB)). Wir können als Sozialpsycholog:innen nicht einfach Geld herzaubern. Aber wir können auf einer anderen Ebene helfen, etwa dabei, Gruppen aufzubauen, die schützen. Beispielsweise sind Kindergärtenwichtig auf der strukturellen Ebene, keine Frage. Aber dann gibt es auch noch Interventionen, die mehr auf der psychologischen Ebene ansetzen, die auch sehr viel bewirken können, und aber sehr viel weniger kosten.

Ein Beispiel ist das sogenannte Strength Reframing. Studierende mit einer ADHS-Symptomatik oder mit niedrigem sozioökonomischem Status hörten oft ein Defizitnarrativ, das die Gesellschaft verstärkt: Ich kann das nicht, ich unterbreche ständig andere, ich kann mich nicht konzentrieren. Oder: Weil ich so viel arbeiten muss, glauben andere, mir sei das Studium nicht wichtig. „Wir drehen das um und fragen: Welche Stärken kannst du aus deinem Erleben mitnehmen?“, sagt Schreiner. Wenn Personen mit einer ADHS-Symptomatik vom Thema abkommen, könne das auch positive Auswirkungen haben, zum Beispiel, dass sie neue kreative Ideen einbringen. . Gerade solche kleinen Interventionen könnten viel bewirken und kosteten nicht viel, betont Schreiner.

Auch Jonas setzt auf kleine Formate mit großer Wirkung. In Back-on-Track-Coachings sprechen Studierende mit höhersemestrigen Kolleg:innen, die eine Coachingausbildung haben. „Ein Gespräch von nur zwei Stunden macht einen Riesenunterschied“, sagt Jonas. „Studierende können ihre ganzen Sorgen rauslassen und werden dann begleitet: Was könnte dein erster Schritt sein, welches kleine Ziel kannst du dir setzen?“ Wer durch eine Klausur fällt, frage sich schnell: Bin ich hier am richtigen Ort? „Wenn wir sie begleiten, bleiben sie länger offen und versuchen länger, die Herausforderung zu meistern.“

Was noch offen ist

Wie das Mentoring bei Studierenden wirkt, die beispielsweise aufgrund einer Gruppenzugehörigkeit Diskriminierung erleben, sei nach Schreiner noch eine zentrale Forschungslücke. Beispielsweise gibt es in Salzburg schon Initiativen, die Sensitivity-Trainings für Mentor:innen anbieten. Sie werden dabei geschult, mit unterschiedlichen sozialen Hintergründen von Mentees umuzgehen und mögliche Nachteile sensibel zu besprechen, ohne wieder zu diskriminieren. „Das Mentoring gezielt auf diese Studierendengruppen auszuweiten, fände ich eine voll schöne Idee“, sagt Schreiner.

Und wie ließe sich das Modell auf eine sehr große Universität wie beispielsweise die Uni Wien übertragen? Das Gruppenmentoring sei bereits ein Weg zu skalieren, sagt Schreiner. Schwieriger sei es, große Community-Events zu organisieren. „Eine Alternative wäre, mehrere Events anbieten mit Teilnehmer:innenbeschränkung. Aber sicher lohnt es sich hier auch, nochmal kreativ zu werden und neue Formate zu entwickeln."

Das sagt Anna Schreiner auf die Frage: Wie sieht das Studium der Zukunft 2040 aus?

„Ich wünsche mir, dass das Studium mehr Diversität erlaubt und unterschiedliche Lebensrealitäten möglich macht. Wir haben super diverse Studierende,aber orientieren uns gefühlt noch immer am klassischen Vollzeitstudierenden. Deshalb wünsche ich mir mehr Angebote, die die verschiedenen Lebensrealitäten der Studierenden besser widerspiegeln. Vor allem für internationale Studierende, für Studierende mit Betreuungspflichten und auch für jene mit Beeinträchtigungen. Davon profitiert auch die wissenschaftliche Exzellenz, wenn die Vielfalt der Menschen mitdenken und mitmachen darf.“

Das sagt Anna Schreiner auf die Frage: Wozu brauchen wir 2040 (noch) Hochschulen?

„Wir brauchen eine Hochschule, die Zeit hat. Ich glaube, dass Krisen zunehmen und uns immer unmittelbarer betreffen. Menschen sind verunsichert, haben Angst und das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Dann haben sie das Bedürfnis, irgendetwas zu tun, um sich wieder handlungsfähig zu fühlen. Eine Hochschule sollte ein Ort sein, an dem ich innehalten kann: Ich versuche zu verstehen, statt sofort zu handeln, ich betrachte Probleme aus einer gewissen Distanz und finde trotzdem gute Lösungen, nur eben nicht impulsiv.“

Zur Person: Anna Schreiner hat Psychologie an der Universität Salzburg studiert und nach Stationen in der Wirtschaft und an der Universität Regensburg im Dezember 2023 bei PLUSTRACK begonnen. In ihrer Dissertation in der Arbeitsgruppe von Eva Jonas erforscht sie, wie Mentoring als sozialer Resilienzfaktor im ersten Semester wirkt.