Registerforschung
Unter Registern im Sinne des Forschungsorganisationsgesetzes (FOG) sind sämtliche Verzeichnisse, Datenbanken oder ähnliche Anwendungen oder Verarbeitungsplattformen zu verstehen, die bundesgesetzlich vorgesehen sind.
Regierungsprogramm: Ausbaumöglichkeiten des Austrian Micro Data Center (AMDC)
Das Regierungsprogramm 2025-2029 hält dazu fest:
„ Alle bundesgesetzlich eingerichteten Registerdaten (mit Ausnahme der nationalen Sicherheit) werden vollständig bis zum 1. Juli 2026 an das Austrian Micro Data Center angebunden. Die Basisfinanzierung des AMDC wird erhöht, gleichzeitig werden die Kosten für einzelne Forschungsprojekte auf internationale Standards gesenkt. Die Finanzierung des Austrian Socio-Economic Panels (ASEP) wird im Falle einer positiven Evaluierung gesichert und auch zukünftig mit Registerdaten für Forschungszwecke im Austrian Micro Data Center verknüpfbar sein.“
Durch die Novellierung des Bundesstatistikgesetzes 2000 sowie des Forschungsorganisationsgesetzes wurden die legistischen Rahmenbedingungen für die Umsetzung des Austrian Micro Data Center (AMDC) geschaffen.
Mit 1. Juli 2022 nahm das AMDC seinen Betrieb auf. Unter Einhaltung höchster Qualitäts-, Sicherheits- und Datenschutzstandards bietet diese zukunftsweisende Forschungsinfrastruktur Datenzugang zu Registerdaten für die Forschung in Form eines virtuellen Safe Centers. Die Finanzierung erfolgt durch das BMFWF.
Wichtige Grundlage für die Forschung
Die Chancen der Registerforschung für die Gesellschaft erkennt etwa die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), an: „Durch die Verknüpfung von Informationen aus Registern können Forscher neue Erkenntnisse von großem Wert in Bezug auf weit verbreiteten Krankheiten wie Herz-Kreislauferkrankungen, Krebs und Depression erhalten. Durch die Verwendung von Registern können bessere Forschungsergebnisse erzielt werden, da sie auf einen größeren Bevölkerungsanteil gestützt sind. Im Bereich der Sozialwissenschaften ermöglicht die Forschung anhand von Registern es den Forschern, entscheidende Erkenntnisse über den langfristigen Zusammenhang einer Reihe sozialer Umstände zu erlangen, wie Arbeitslosigkeit und Bildung mit anderen Lebensumständen. Durch Register erhaltene Forschungsergebnisse bieten solide, hochwertige Erkenntnisse, die die Basis für die Erarbeitung und Umsetzung wissensgestützter politischer Maßnahmen darstellen, die Lebensqualität zahlreicher Menschen verbessern und die Effizienz der Sozialdienste verbessern können. Zur Erleichterung der wissenschaftlichen Forschung können daher personenbezogene Daten zu wissenschaftlichen Forschungszwecken verarbeitet werden, wobei sie angemessenen Bedingungen und Garantien unterliegen, die im Unionsrecht oder im Recht der Mitgliedstaaten festgelegt sind.“, heißt es im Erwägungsgrund 157 in der DSGVO. Auf ihrer Grundlage wurde 2018 das Forschungsorganisationsgesetz (FOG) novelliert und die Voraussetzung für den Zugang der Wissenschaft zu Registerdaten für den Bereich der Lebens- und Sozialwissenschaften geschaffen.
Forschungscommunity
Forschungseinrichtungen sowie Wissenschafterinnen und Wissenschafter haben sich in der Plattform Registerforschung zusammengeschlossen, um Expertise zu diesem Themenbereich zu bündeln und als Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen.
AMDC & ASEP Nutzer:innen-Konferenz 2026
In Kooperation mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Statistik Austria
Am Mittwoch, dem 21. Oktober 2026, fand an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften die Nutzer:innen-Konferenz des Austrian Micro Data Center (AMDC) und des Austrian Socio-Economic Panel (ASEP) statt. Die Veranstaltung brachte 206 Teilnehmende zusammen. Im Mittelpunkt standen aktuelle Forschungsprojekte und neue Möglichkeiten, verknüpfte Registerdaten und sozioökonomische Paneldaten zur Untersuchung gesellschaftlicher Herausforderungen zu nutzen.
Nach der Eröffnung durch den Präsidenten der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Heinz Fassmann, und der fachstatistischen Generaldirektorin der Statistik Austria, Manuela Lenk, wurden aktuelle Entwicklungen des AMDC und ASEP vorgestellt. Eine Podiumsdiskussion widmete sich den neuen Forschungsmöglichkeiten zu Frauen und Gleichstellung. In thematischen Sessions präsentierten Wissenschafter:innen ihre Forschungsprojekte auf Basis von AMDC- und ASEP-Daten. Die Themen reichten von Frauen und Gleichstellung über Migration, Klima und Umwelt sowie Ungleichheit bis hin zu Evaluation und länderübergreifender Forschung mit administrativen Daten.
Bundesministerin Eva-Maria Holzleitner betonte in ihrem Grußwort die Bedeutung einer leistungsfähigen Forschungsdateninfrastruktur und der weiteren Anbindung von Registern an das AMDC. Die Konferenz bot Raum für den Austausch zwischen Wissenschaft, Statistik und Politik und verdeutlichte, wie hochwertige Daten dazu beitragen können, gesellschaftliche Entwicklungen besser zu verstehen und evidenzinformierte politische Entscheidungen zu unterstützen.
Den Abschluss der Konferenz bildete die Vorstellung des Förderprogramms der ÖAW „Data: Research: Austria“ durch Alexander Nagler.
Im Anschluss fand im Rahmen der ÖAW-Statistik Austria Lectures ein Vortrag von Sabine Zinn vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung Berlin zum Thema „Der empirische Wert des Wandels: Mit Längsschnittdaten Vergangenheit verstehen und Zukunft gestalten“ statt.
Impressionen der Konferenz finden Sie hier auf der Mediendatenbank des BMFWF.
Links
- Austrian Micro Data Center (bei Statistik Austria)
- Plattform Registerforschung
- Bundesstatistikgesetz 2000 in der aktuellen Fassung nach der Novellierung 2021 abrufbar im Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS)
- Forschungsorganisationsgesetz (FOG) in der aktuellen Fassung nach der Novellierung 2018, abrufbar im Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS)
- Verordnung (EU) 2016/679 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. April 2016 zum Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten, zum freien Datenverkehr und zur Aufhebung der Richtlinie 95/46/EG (Datenschutz-Grundverordnung DSGVO); Erwägungsgrund 157
- Regierungsprogramm 2025 bis 2029 (PDF, 1 MB)
Kontakt AG Registerforschung des BMFWF
AG-Leitung:
Mag. Matthias Reiter-Pázmándy
Abteilung II/4 Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften
T +43 1 2300023-67 6274
matthias.reiter-pazmandy@bmfwf.gv.at
AG-Leitung Stellvertretung:
Mag. Harald Titz, MSc
Abteilung I/10 Hochschulstatistik, Evidenzen zur Universitätssteuerung
T +43 1 2300023-67 5870
harald.titz@bmfwf.gv.at