Österreich als Wissenschafts- und Technologienation: Neue Elsevier-Studie belegt internationale Spitzenposition
Investitionen in Hochschulen und Forschung zahlen sich aus: Mit nur 0,11 Prozent der Weltbevölkerung produziert Österreich 0,8 Prozent der globalen wissenschaftlichen Veröffentlichungen bei 54 Prozent höherer Zitierwirkung als der weltweite Durchschnitt. Eine aktuelle Elsevier-Studie bestätigt: Österreichs Universitäten und Forschungseinrichtungen sind ein zentraler Erfolgsfaktor für Wirtschaft, Innovation und Gesellschaft.
Investitionen in Wissenschaft und Forschung zahlen sich aus. Das belegen nicht nur nationale Studien (Aktualisierung der WIFO-Studie aus 2022 zu den „Wirtschaftlichen Effekten von Universitäten). Die aktuelle Analyse von Elsevier, einem der weltweit führenden Wissenschafts(-verlags-)konzerne, zeigt nun auch im internationalen Vergleich: Österreichs Hochschul- und Forschungslandschaft gehört zur Weltspitze – und ist ein entscheidender Standortvorteil.
Der Bericht „Austria as a science and technology nation" kommt zu einem klaren Ergebnis: Österreich ist eine „kleine, aber exzellente" Wissenschafts- und Technologienation, deren Universitäten und Forschungseinrichtungen eine Schlüsselrolle für Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und gesellschaftlichen Fortschritt spielen.
Österreichs Universitäten schaffen Exzellenz und Innovation
Österreichs Universitäten bilden das Rückgrat des Wissenschafts- und Forschungsstandorts. Mit einem Field-Weighted Citation Impact (FWCI) von 1,54 übertrifft Österreich deutlich den EU-Durchschnitt (1,14) und liegt sogar vor Forschungsgroßmächten wie den USA (1,33). Diese Zitierwirkung – ein international anerkannter Indikator für Forschungsqualität – zeigt: Die österreichische Wissenschaft ist international sichtbar und einflussreich, weit über das hinaus, was die Größe des Landes vermuten ließe.
Komplementäres Hochschulsystem als strategischer Vorteil
Die Stärke des österreichischen Hochschulsystems liegt in seiner Vielfalt und Komplementarität:
- Volluniversitäten wie die Universität Wien und die Universität Innsbruck bieten disziplinäre Breite und exzellente Grundlagenforschung. Die Universität Wien produziert rund 16 Prozent des gesamten österreichischen Forschungsoutputs und ist damit die größte Forschungseinrichtung des Landes.
- Medizinische Universitäten verbinden hohe Publikationsintensität mit konstant starker Zitierwirkung. Die Medizinische Universität Wien erreicht einen FWCI von 2,47 und spielt eine zentrale Rolle in der klinischen Forschung und den Gesundheitswissenschaften – dem stärksten Forschungsfeld Österreichs (FWCI 1,93).
- Technische Universitäten sind dort besonders stark, wo Forschung direkt mit Industrie und Innovation verbunden ist. TU Wien, TU Graz und Montanuniversität Leoben führen in den Ingenieurwissenschaften, Materialwissenschaften und Schlüsseltechnologien wie Künstliche Intelligenz und Quantentechnologie.
- Spezialuniversitäten wie beispielsweise die Wirtschaftsuniversität Wien und die Universität für Bodenkultur Wien bringen sozial- und wirtschaftswissenschaftliche bzw. nachhaltigkeitsorientierte Expertise ein, was sich in überdurchschnittlich hohen Policy Citations niederschlägt.
- Fachhochschulen stärken die regionale Innovationskraft und den anwendungsorientierten Wissens- und Technologietransfer.
Diese institutionelle Vielfalt ermöglicht es Österreich, gleichzeitig in der Grundlagenforschung zu glänzen und den Technologietransfer effektiv zu gestalten – eine Kombination, die international selten ist.
Enge Verzahnung von Hochschulen und Wirtschaft
Besonders bemerkenswert ist die intensive Kooperation zwischen Hochschulen und Unternehmen: 8,8 Prozent der österreichischen Forschungsarbeiten werden gemeinsam mit Unternehmen veröffentlicht – mehr als doppelt so viel wie im globalen Durchschnitt (2,6 Prozent) und deutlich über dem EU-Durchschnitt (3,9 Prozent).
Publikationen aus akademisch-industrieller Kooperation erzielen zudem eine deutlich höhere Zitierwirkung (FWCI 2,61) als rein akademische Forschung (FWCI 1,21) – ein Beleg dafür, dass die Zusammenarbeit nicht nur dem Wissenstransfer dient, sondern auch wissenschaftlich hochrelevant ist.
Universitäten als Gründungsinkubatorinnen
Österreichs Universitäten tragen zunehmend zur Gründungsdynamik bei. Zwischen 2018 und 2024 wurden rund 238 forschungsbasierte Spin-offs gegründet, davon 138 als formale IP-basierte Ausgründungen. Im selben Zeitraum wurden etwa 2.300 innovative Startups in Österreich gegründet, wovon rund 947 einen universitären Bezug aufweisen.
Etwa 31 Prozent der innovativen Startups (rund 1.154 Unternehmen seit 2014) haben erfolgreich Venture Capital eingeworben. Besonders erfolgreich sind dabei Ausgründungen aus den technischen und medizinischen Universitäten, die häufiger Finanzierung erhalten und Deep-Tech-Lösungen entwickeln, die für internationale Investoren attraktiv sind.
Internationale Vernetzung stärkt Österreichs Position
Rund 67 Prozent der österreichischen Publikationen entstehen in internationaler Zusammenarbeit – deutlich mehr als der EU27-Durchschnitt von 43 Prozent. Diese internationale Offenheit verschafft Zugang zu Spitzenforschung, internationalen Talenten und globalen Forschungsinfrastrukturen.
Deutschland ist dabei der wichtigste Partner (ca. 40 Prozent aller internationalen Kooperationen), gefolgt von den USA (24 Prozent) und dem Vereinigten Königreich (13 Prozent).
Exzellenz in Schlüsseltechnologien sichert Zukunftsfähigkeit
In strategisch wichtigen Zukunftsfeldern zeigt Österreich bemerkenswerte Stärken: In der Künstlichen Intelligenz mit überdurchschnittlicher Zitierwirkung und starker Industriekooperation (7,3 Prozent), in Quantentechnologien mit höherer Forschungsintensität (1,2 Prozent) und Zitierwirkung als alle G7-Länder, in der Biotechnologie mit einem der weltweit höchsten Anteile an Industrie-Kooperationen (18,2 Prozent) und Patentzitationen (17,6 Prozent), sowie bei kritischen Materialien – einem für die Energiewende strategisch wichtigen Feld mit starker Materialwissenschafts-Expertise.
Starker Wissenstransfer schafft wirtschaftlichen Mehrwert
Österreichische Forschung wird überdurchschnittlich häufig in Patenten zitiert (4,3 Prozent gegenüber 3,8 Prozent weltweit) – ein wichtiger Indikator für erfolgreichen Wissenstransfer in technologische Innovationen und letztlich in wirtschaftliche Wertschöpfung. Besonders stark ist dieser Transfer in den Bereichen Materialwissenschaften, Biotechnologie und Künstliche Intelligenz.
Gesellschaftlicher Impact: Forschung für evidenzbasierte Politik
Österreichische Forschung leistet auch einen wichtigen Beitrag zur evidenzbasierten Politikgestaltung und demokratischen Resilienz: 8,9 Prozent der österreichischen Publikationen werden in Politikdokumenten zitiert – deutlich mehr als im EU-Durchschnitt (7,1 Prozent) und weltweit (4,8 Prozent).
Bei den UN-Nachhaltigkeitszielen (SDGs) zeigt Österreich besondere Stärken bei Klimaschutz, Biodiversität, nachhaltiger Produktion und Innovation – eine Ausrichtung, die den großen gesellschaftlichen Herausforderungen entspricht.
TU Austria: Technologische Exzellenz als Innovationsmotor
Eine besondere Rolle im österreichischen Forschungs- und Innovationssystem kommt der TU Austria zu – der strategischen Allianz von TU Wien, TU Graz, Montanuniversität Leoben sowie den assoziierten Partnerinnen, der BOKU und den Universitäten Linz und Innsbruck.
Diese Allianz bildet das Herzstück der österreichischen Ingenieur- und Technologieforschung. Mit einem Anteil von 10,2 Prozent akademisch-industrieller Ko-Publikationen und überdurchschnittlich hohen Patentzitierungen sind die TU Austria-Universitäten zentrale Akteurinnen im Wissenstransfer.
In den Schlüsseltechnologien stellen TU Austria-Universitäten durchgehend die führenden österreichischen Institutionen: TU Wien und TU Graz in der Künstlichen Intelligenz (mit FWCI-Werten von 1,87 bzw. 1,86 und wichtigen Industriepartnern wie Silicon Austria Labs, Infineon und AVL List), die Universität Innsbruck in der Quantentechnologie (507 Publikationen, FWCI 2,45), die Medizinischen Universitäten und BOKU in der Biotechnologie (18,2 Prozent Industrie-Kooperationen, 17,6 Prozent Patentzitationen), sowie TU Leoben, TU Wien und TU Graz bei kritischen Materialien (mit voestalpine als wichtigstem Industriepartner). Auch bei forschungsbasierten Ausgründungen führen TU Graz (52,5 Spin-offs 2018-2024) und TU Wien (39 Spin-offs) mit den höchsten Exit-Zahlen.
Fazit: Österreichs Forschungssystem ist leistungsstark und resilient
Der Fazit des Berichts: „Die Studie zeigt, dass Österreich über ein resilientes, leistungsstarkes Forschungssystem verfügt", Die strategische Priorität liege nun in der Konsolidierung dieser Stärken: stabile und verlässliche Rahmenbedingungen, nachhaltige Talententwicklung und fortgesetzte internationale Offenheit seien entscheidend.
Links & Downloads
- Elsevier
- TU Austria
- Arnold. E et al. (2022): Wirtschaftliche Effekte von Universitäten, Aktualisierung 2022, Österreichisches Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) im Auftrag der uniko, der Österreichischen Universitätenkonferenz. (PDF, 1 MB)
- Elsevier (2026): Report „Austria as a science and technology nation” (PDF, 6 MB)