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Korinna Lindinger, TU Wien, Universität für angewandte Kunst: „lch liebe diese Mischung aus Wissenschaft und Kunst.“

Korinna Lindinger
Foto: Irene Starzengruber

Zwei Studienabschlüsse, langjährige Lehrerfahrung an zwei Universitäten, internationale Forschungsaufenthalte, ein eigener Kunstverein – und trotzdem steht Korinna Lindinger derzeit ohne Job dar. Vor drei Wochen ist ihre letzte Stelle, eine befristete Senior Lecturer Stelle, in der sie die Lehre der vakanten Professur vertreten hat an der TU Wien, ausgelaufen. Entmutigen lässt sich Lindinger davon nicht, sie hat bereits Pläne, wie es weitergehen kann. „Aber bevor ich etwas Neues anfange, möchte ich meine Dissertation in einer meiner zwei Disziplinen, der Soziologie, endlich abzuschließen. Die brauche ich, um an der TU Wien, der Universität für angewandte Kunst oder einer anderen wissenschaftlich Uni als vollwertige Lehrende und Forschende arbeiten zu können. Im Moment darf ich beispielsweise für Bachelorarbeiten kein Prüfungszeugnis unterschreiben, unabhängig davon wie lange ich Studierende hier schon unterrichte und Abschlussarbeiten mitbetreue“, sagt sie.  

Lindinger hat sowohl Soziologie (an der Universität Wien) als auch Digitale Kunst (an der Universität für angewandte Kunst Wien) studiert, zu einer Zeit als Interdisziplinarität an beiden Institutionen noch die Ausnahme war. Seit 2018 schreibt sie ihre Dissertation zum Thema „Ein Kinderrecht auf Stadt? Stadträume aus Perspektive von Kindern mit Armutserfahrungen“ an der Schnittstelle von Soziologie, Raumplanung und künstlerischer Forschung an der TU Wien. Anfangs (2017-2022) war sie Universitätsassistentin am Forschungsbereich Soziologie der Fakultät für Architektur und Raumplanung der TU Wien. „Mich hat immer schon interessiert, wie Soziologie mit gestaltenden Disziplinen in Dialog tritt, welchen Beitrag sie in der raumgestaltenden und künstlerischen Praxis leisten kann, wie sie sich auch in konkreten Anwendungen im Alltag und in der Kunst beweisen muss. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, als ich an der TU Wien diese Prä-Doc-Stelle als Universitätsassistentin bekommen habe“, sagt sie.

2022 bis 2024 ergibt sich die Chance, als Senior Scientist an die Abteilung Kulturwissenschaften an der Angewandten, an der auch die Kultursoziologie angesiedelt war, tätig zu sein. Lindinger greift begeistert zu, erhält aber entgegen des großen Einsatzes ihres Fachbereichs und der Personalabteilung keine Verlängerung. Und das obwohl ihr versichert worden war, dass eine solche rechtlich jedenfalls noch möglich gewesen wäre. Die Höchstbefristungsdauer von acht Jahren, die § 109 Universitätsgesetz vorschreibt, hatte Lindinger an der Angewandten noch nicht erreicht.

Um weitermachen zu können, nimmt Lindinger mitten im Sommer 2024, direkt nach einem Forschungsaufenthalt in Frankreich, die Vertretungsstelle an der TU an und die damit verbundene Lehrverpflichtung eines Professors, der ins Ausland ging. Parallel dazu tut sich die Möglichkeit auf, an der Angewandten zu lehren. „Ich war sicher 60 Stunden im Einsatz – und das als Mutter eines vierjährigen Kindes. Das war nur machbar, weil mein Partner, der im Kulturbereich arbeitet, bis heute zurücksteckt und nach wie vor in Elternteilzeit arbeitet", sagt sie.

Wie es nun genau weitergeht, das weiß Lindinger nicht. Sie weiß nur, dass sie als Nächstes ihre Doktorarbeit beenden will. Man habe ihr bereits in Aussicht gestellt, dass dies ihre Chance auf eine weitere Stelle als Projektmitarbeiterin verbessere, womöglich auch noch auf mehr. Denn auch die Kunstuniversitäten brauchen qualifiziertes wissenschaftliches Personal, insbesondere solches, das wie Lindinger, in beiden Welten – der Wissenschaft und der Kunst – zu Hause ist.

Diese Kombination von Wissenschaft und Kunst ist es auch, die Lindinger bis heute fasziniert: „Ich liebe die Unis. Ich liebe die Kunstunis für ihre Gestaltungsfreiheit, weil man hier nur wenige Studierende auf einmal unterrichtet und dadurch besonders gut auf sie eingehen kann. Und gleichzeitig liebe ich die wissenschaftliche Tiefe und Breite in der gesellschaftlichen Wirkung, wie du sie in der Soziologie an der TU Wien findest."

Das rät Korinna Lindinger Jungwissenschafter:innen und jungen Künstler:innen von heute:
  • Stellt euch möglichst flexibel auf, egal, ob ihr junge Wissenschafter:innen oder junge Künstler:innen seid. Das macht auch resilienter, für alles, was kommt. Denn egal, ob ihr eine wissenschaftliche oder künstlerische Karriere einschlägt, ihr seid in jedem Fall mit Unsicherheiten und Rückschlägen konfrontiert. Das definiert euch aber nicht - lasst euch also davon nicht entmutigen.
  • Jungen Künstler:innen rate ich daher: Wenn ihr länger an Universitäten arbeiten wollt, versteht den PhD als Qualifikationsaufgabe. Damit habt ihr später jedenfalls mehr Jobmöglichkeiten.
  • Jungen Wissenschafter:innen rate ich: Seid flexibel und Umwege sind oft eine Chance. Denn auch eine Bilderbuchkarriere garantiert euch nicht, dass ihr es bis zur Professur schafft.

Das antwortet Korinna Lindinger auf die Frage: Wie sehen attraktive und perspektivenreiche Karrierewege für Wissenschaftler:innen und Künstler:innen 2040 aus?

Bis 2040 brauchen Wissenschafter:innen und Künstler:nnen eine flexiblere, sichere Vertragsgestaltung und damit verbunden mehr echte langfristige Perspektiven. Aber auch die Uni-Administration, insbesondere die IT, die Evaluierung und Dokumentation sollten bis dahin lehrenden-, forschenden- und studierendenzentrierter aufgestellt sein und die Arbeitsbedingungen der Menschen, nicht die Kennzahlen in den Mittelpunkt stellen.

Das antwortet Korinna Lindinger auf die Frage: Wozu brauchen wir 2040 (noch) Hochschulen?

Hochschulen ermöglichen Bildungs- und Forschungsprozesse, die in diskursiver Auseinandersetzung mit versierten wie motivierten Menschen entstehen und sich weiterentwickeln. Sie werden auch 2040 wichtig sein, um die großen gesellschaftlichen Fragen zu beantworten und Lösungen zu entwickeln.

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