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„Ich habe es keinen einzigen Tag bereut“, sagt Verena Seiboth, Head of Postdoctoral and Faculty Affairs, ISTA
 

Verena Seiboth hatte eigentlich Technische Chemie in Wien und in Ohio mit dem Ziel studiert, Nahrungsergänzungsmittel für den Sport zu entwickeln. Doch dann kam ihr die Wissenschaft in die Quere. Ein EU-Projekt über Schimmelpilzenzyme brachte sie dazu, ihren Doktor in Biochemie, Biotechnologie und Molekularbiologie und später ihre Habilitation in diesem Gebiet zu machen. Mehr als sieben Jahre lang leitete Seiboth dazu ihre eigene Forschungsgruppe an der TU Wien, sehr erfolgreich, wie sie heute noch sagt. Doch 2015 entschied sie sich um. „Ich habe mir eingestehen müssen, dass ich mich nicht mein Leben lang als Forscherin sehe. Ich bin halt jemand, der sehr generalistisch ist. Deshalb bin ich ans ISTA gewechselt und habe beim Faculty Recruiting begonnen. Bis heute habe ich keinen einzigen Tag bereut, nicht mehr selbst Wissenschaft zu machen“, erzählt Seiboth.

„Die Professur ist nur ein wissenschaftlicher Karriereweg von ganz, ganz vielen." 

Dabei hat sie mittlerweile ihr Tätigkeitsfeld längst erweitert. Seiboth ist einerseits Ombudsperson für wissenschaftliche Integrität und Forschungsethik am ISTA, zum anderen leitet sie den Bereich für Postdoctoral und Faculty Affairs, zu dem auch das Postdoc-Office gehört, das jene Organisationseinheit, die Jungwissenschafter:innen am ISTA auf ihrem Karriereweg selbst begleitet. Deshalb kennt Seiboth alle Fallstricke und Hürden, die es dabei zu überwinden gilt, insbesondere die befristeten Arbeitsverhältnisse vieler Postdocs. Seiboth sagt aber auch: „Die Professur ist nur ein wissenschaftlicher Karriereweg von ganz, ganz vielen. Daneben gibt es unzählige andere – in Unternehmen, in der öffentlichen Verwaltung, im Forschungsmanagement, an Hochschulen und Forschungseinrichtungen.

Wir müssen dafür das Mindset an den Universitäten, Hochschulen und Forschungseinrichtungen ändern, das nach wie vor den Studierenden und Jungwissenschafter:innen vermittelt wird, nämlich dass die Besten immer in der Wissenschaft bleiben und die, die nicht so gut sind, etwas Anderes machen“, betont sie. Ein Start-up zu gründen oder ins Forschungsmanagement zu gehen, dürfe in Zukunft nicht mehr als Ausstieg aus der Wissenschaft gewertet werden, sondern als gleichwertiger und ebenso erfolgreicher Karriereschritt nach einer wissenschaftlichen Ausbildung oder Berufserfahrung. „Es ist einfach so, dass Menschen unterschiedliche Interessen und abseits von ihrem wissenschaftlichen Wissen unterschiedliche Stärken haben, und die kann man in anderen Feldern oft besser ausspielen als in der aktiven Wissenschaft. Wichtig dabei ist, dass andere Branchen ganz unterschiedliche, aber ebenso spannende und herausfordernde Aufgaben bieten können wie die Wissenschaft selbst“, sagt Seiboth und verweist auf sich selbst: Für ihre Tätigkeit am ISTA stehe zwar nicht mehr im Vordergrund, zu wissen, wie ein Molekül aussieht, aber dafür umso mehr, wie Forschung entsteht, wie sie funktioniert, was eine wissenschaftliche Publikation ausmacht, warum Autor:innenschaft wichtig ist und Ähnliches.

Das rät Verena Seiboth Jungwissenschafter:innen von heute:
  • Sich frühzeitig über die eigenen Stärken klar werden.
  • Sich frühzeitig zu informieren, was es denn für Karrierewege gibt und welche für einen selbst am besten in Frage kommen.
  • Mutig sein, wenn man das Gefühl hat, man sollte etwas Anderes, etwas Neues ausprobieren, denn es ist ein relativ vorhersehbarer Schritt von einer Postdoc-Stelle zur anderen zu wechseln. Es ist aber viel schwieriger, etwas Neues anzufangen.

Das antwortet Verena Seiboth auf die Frage: Wie sehen attraktive und perspektivenreiche Karrierewege für Wissenschafter:innen (und Künstler:innen) 2040 aus?

„Ich wünsche mir, dass es bis dahin etablierte Support- und Organisationsstrukturen gibt, die jungen Menschen, die eine wissenschaftliche Karriere anstreben, bei der Planung und Umsetzung vom ersten Tag Schritt für Schritt unterstützen. Und dass es bis dahin selbstverständlich, akzeptiert und auch generell in Wissenschaft und Forschung wertgeschätzt wird, wenn jemand einen anderen Weg als eine Professur einschlägt. Dazu gehört auch, dass es zum Berufsbild der Professor:innen dazugehört, Teamführungs-, Teambuildings- und Kommunikationsaufgaben ebenso wahrzunehmen.“

Das antwortet Verena Seiboth auf die Frage: Wozu brauchen wir 2040 (noch) Hochschulen?

Wir brauchen Hochschulen in Zukunft für das, wofür wir sie schon heute brauchen, für die Bildung und Ausbildung der nächsten Generationen, damit sie selbstbestimmt handeln und Neues hervorbringen können. Hochschulen sind ein essenzieller Bestandteil von dem, was für mich eine gute Gesellschaft ausmacht, heute und im Jahr 2040.

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